Mit den spartenoffenen Projektstipendien können begonnene Projekte zum Abschluss gebracht, neue künstlerische Vorhaben konzipiert oder neue Formate der Präsentation entwickelt werden. Antragsberechtigt sind neben professionell tätigen Künstlerinnen und Künstlern mit Erstwohnsitz in Baden-Württemberg auch junge Absolventinnen und Absolventen künstlerischer Fächer an staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschulen und Akademien.
Voraussetzung für einen Antrag ist der Nachweis der hauptberuflichen künstlerischen Tätigkeit.
Das Stipendium wurde mir Anfang Juli 2021 zuerkannt. 

Diese Seite enthält den Sachbericht über den Fortgang der Arbeiten am Projekt "Barockköpfe".
Skulpturen, Videos und Bilder von der Entstehung sind Teil des Projekts.

Bericht
Diese barocken Köpfe sind dem Riedlinger Bildhauer Johann Joseph Christian gewidmet, einer der herausragendsten Barockbildhauer in Oberschwaben und darüber hinaus. Wer seine Werke kennt - einen ausgezeichneten Überblick gibt Prof. Winfried Assfalg in seinem Buch "Christian, Vater und Sohn", Schwabenverlag, 1998, ISBN 10: 3796609163ISBN 13: 9783796609169, der fragt sich, wieso dieser Bildhauer nicht öfter genannt wird. Die Erklärungen hierfür würden an dieser Stelle zu weit führen, doch sei erwähnt, daß er seinen Zeitgenossen und Kollegen wie z.b.  Joseph Anton Feichtmayr oder den Brüdern Cosmas Damian Asam und Egid Quirin Asam künstlerisch in nichts nachstand.
Barocke Bildhauerei findet sich auch in meinem Heimatdorf Ertingen, wo die Marienkapelle von 1755 neben Malereien von Joseph Ignaz Wegscheider auch ein Vielwunderkreuz von Johann Joseph Christian enthält. Untrennbar mit unserer Vorstellung von barocker Bildhauerei verbunden sind die Darstellungen von Engeln und Putti. Eine meiner Kindheitserinnerungen dreht sich um Besuche von Gottesdiensten, deren schreckliche Langeweile mich zu intensiver Betrachtung der Kirchenskulpturen brachte, stets in der Hoffnung verharrend, daß sich einer der kleinen Engel bewegen möge, wenn ich grad hinschaue.
Intensive Betrachtung schult das Auge. In meinem Fall führte das bis zur Berufswahl.
Wenn ich mich nun wieder barocker Köpfen zuwende, so tue ich dies freilich nicht mehr mit der Naivität des Knaben, eher schon mit dem Wissen des Studiums der Kunstgeschichte und der fachlichen Erfahrung des langjährigen Freien Bildhauers. Auch sehe ich die kirchliche Kunst nicht mit den Augen des Glaubenden oder des Bibelkenners - ich gebe zu, ich sehe diese Kunstgattung als eine dem Auftraggeber dienende.
So stelle ich den Kopf eines Putto nicht in den kirchlichen, sondern in den geschichtlichen Kontext. Was von barocker Herrlichkeit übrig ist, beschränkt sich auf Architektur, Bildhauerei und Malerei. Die frommen Gläubigen, die dieses Erbe religiös erleben, sind weniger geworden. An ihre Stelle sind die Touristen getreten, die sich in Führungen von Altar zu Altar, von Bild zu Bild leiten lassen und den Erläuterungen mal aufmerksam, mal ratlos folgen. Der Inhalt ist nur noch ein Rest, ein Scherben dessen, was im Barock gelebt wurde. 

Atelier im Feuerwehrhaus in Ertingen: Entstehung der Styropormodelle

Gipsdetails auf Styropor

sägen, feilen, raspeln

What's next:
Abstimmung der Köpfe zu einer Gruppe und Ausstellung vor barockem Schloß
coming soon!
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